Fälle aus der Praxis

Eine berufliche Neuorientierung

Ein 25-jähriger Kunde ist bei f2w Beratungsbeginn aufgrund anhaltender Beschwerden im Bewegungsapparat im Krankenstand und gibt an, dadurch bezüglich des geplanten Berufswunsches deutlich verunsichert zu sein. Er habe sich nach Abschluss einer berufsbildenden mittleren Schule für den technischen Bereich für eine weitere Ausbildung, eine Lehre in einem handwerklichen Beruf entschlossen. Im Rahmen der Lehrausbildung seien durch die geforderte Belastung an den Bewegungsapparat früherer Beschwerden (erstmalig, vor einigen Jahren durch Ausübung eines Freizeitsportes) wieder aufgetreten. Im Rahmen der f2w Begleitung findet eine arbeitsmedizinische Abklärung statt. Dem jungen Mann werden eine sofortige Inanspruchnahme von Physiotherapien und weiteren Facharztterminen, Reduzierung der Arbeitszeit und Beratung bezüglich einer alternativer Berufsausbildung empfohlen. Durch regelmäßige Physiotherapien und einer Ernährungsumstellung verbessert sich rasch die gesundheitliche Situation des Kunden und er schafft es am Prüfungstermin für die Lehrabschlussprüfung gesundheitlich stabil genug zu sein, um die geforderte Leistung zu erbringen. Für den Kunden ist somit vorerst ein Verbleib in der Firma und die Ausführung des Handwerksberufes als Geselle aufgrund der Beschwerdesymptomatik jedoch nur in Teilzeit möglich. Aus gesundheitlichen Gründen wird er seinen Handwerksberuf in Vollzeit nicht ausüben können.

In weiterer Folge nimmt der Kunde Beratung zur Erarbeitung realistischer Berufs- und Bildungswege in Anspruch. Er entschließt sich eine dritte Ausbildung, jetzt an einer berufsbildenden mittleren Schule für den Sozialbereich anzugehen. Er kann sich vorstellen zukünftig sein spezifisches Fachwissen im handwerklichen Bereich in einem Sozialbetreuungsberuf einzusetzen. Das AMS unterstützt den Kunden bei der beruflichen Neuorientierung.

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Gesundheitliche Stabilisierung und neue Perspektiven

Frau F. kam auf Empfehlung des AMS-Beraters zu fit2work und erklärte ihre immer gerne ausgeführte und sehr abwechslungsreiche Tätigkeit in der Gastronomie aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht mehr ausführen zu können, sich aktuell jedoch keine Alternativen vorstellen zu können. Zu diesem Zeitpunkt war Frau F. knapp 30 Jahre alt und wies zahlreiche Diagnosen auf: Gelenksschmerzen, degenerative Veränderungen der Wirbelsäule bei Fußfehlstellung, Magen-Darmprobleme inkl. Unverträglichkeiten, Schlafstörungen, Kreislaufprobleme, vermehrter Alkoholkonsum, Selbstüberforderung, sporadisch depressive Verstimmung. Besonders das lange Stehen und Gehen sowie der Stress und der ständige Kundenkontakt mit geforderter Freundlichkeit machten ihr die meisten Sorgen und Schmerzen. Aufgrund ihres Alters war schneller Handlungsbedarf angezeigt, zumal der Leidensdruck hoch war und in der fit2work Erstberatung nicht nur die gesundheitliche Notwendigkeit sondern auch ein beginnendes Interesse für eine berufliche Neuorientierung erfasst werden konnte. Da Frau F. von körperlichen und psychischen Belastungsfaktoren geplagt wurde, wurde ein großer Basischeck durchgeführt, um eine arbeitsmedizinische und arbeitspsychologische Einschätzung der Belastbarkeit zu erhalten. Beide Professionen rieten von einer Weiterbeschäftigung in der Gastronomie aufgrund der reduzierten Stresstoleranz ab, der ständigen Verfügbarkeit von Alkohol, des ständigen Kundenkontaktes, der als zu schwer eingeschätzten Hebe- und Tragetätigkeiten sowie der vermehrt stehenden und gehenden Körperhaltung. Empfohlen wurden neben weiteren fachärztlichen Abklärungen (Orthopädie, Neurologie, Innere Medizin, Psychiatrie) eine psychologische Anbindung sowie Suchtberatung und schließlich eine berufliche Neuorientierung inkl. beruflicher Umschulung. Es wurden auf Basis der arbeitsmedizinischen und arbeitspsychologischen Empfehlungen verschiedene ansässige FachärztInnen recherchiert sowie psychologische Unterstützungsmöglichkeiten thematisiert.

Angedacht war beispielsweise eine Vernetzung mit BIN zur Suchtberatung beziehungsweise mit dem psychosozialen Dienst der TGKK bezüglich der Schlafprobleme und Selbstüberforderungstendenzen oder dem gesundheitspsychologischen Dienst des Landes Tirol. Zur intensiven Erarbeitung und Bewusstmachung ihrer Kompetenzen ist ein Termin bei der Bildungsinfo Tirol ins Auge gefasst worden, jedoch konnte Frau F. in Absprache mit dem AMS-Berater zeitnah eine Kursmaßnahme für Frauen mit Interesse an einer beruflichen Umschulung besuchen, in welcher sie in neue Tätigkeitsfelder schnuppern und sich mit Ausbildungen auf Lehrabschlussniveau auseinandersetzen sowie ihre bestehenden kognitiven Kompetenzen auffrischen und erweitern konnte. Im Rahmen eines Praktikums im handwerklich-praktischen/technischen Berufsbereich konnte Frau F. sich schließlich für die Aufnahme in eine Lehrausbildung qualifizieren, welche letztlich noch vom AMS gefördert werden konnte. Aus zeitlichen Gründen konnte sie in dieser Phase zwar keine anderen besprochenen Unterstützungsmöglichkeiten wahrnehmen, jedoch erklärte sie im fit2work Abschlussgespräch, sich durch die entstandene berufliche Perspektive sehr motiviert und glücklich zu fühlen, was sich auch in einer zunehmenden gesundheitlichen Stabilisierung widerspiegelt. Sie sei jedoch froh und dankbar für die Kontaktdaten und wollte vor dem definierten Ausbildungsbeginn in ein paar Wochen manche Empfehlung initiieren, um noch gestärkter neu beginnen zu können. Drei Monate später erklärte Frau F. beim fit2work Feedback sich in Ausbildung zu befinden, das Aufgabenfeld sehr spannend, die Rahmenbedingungen im Lehrbetrieb gut passend, die MitarbeiterInnen sehr hilfsbereit und engagiert zu finden, gesundheitlich – sowohl körperlich als auch psychisch – positive Veränderungen zu bemerken, da sie nicht mehr den „alten“ Belastungen ausgesetzt sei und sich rundum wohl und zufrieden zu fühlen.
 

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Erhalt des Arbeitsplatzes mit Hilfe der Wiedereingliederungsteilzeit (WIETZ)

Frau G. wandte sich bereits Anfang des Jahres an fit2work, mit dem Wunsch, Informationen über Möglichkeiten zum langsamen beruflichen Wiedereinstieg nach längerem Krankenstand zu erhalten. Frau G. war im Gesundheits- und Sozialbereich tätig, eine verlässliche und kompetente Mitarbeiterin, welche sehr gerne mit Menschen arbeitete. Probleme zeigten sich ihren Aussagen zufolge in der Setzung von Grenzen, beim Abschalten und Erholen, beim Nein-Sagen, was zusammen mit Schwierigkeiten im privaten Bereich zu einer großen Überforderung und schließlich laut fachärztlichen Befunden zu einer Burnout-Symptomatik und einer schweren depressiven Episode führten. Frau G. befand sich seit einigen Wochen im Krankenstand, wurde fachärztlich behandelt, eine Medikation wurde gut angenommen. Der Krankenstand habe ihr gut getan, es sei aber wieder an der Zeit, die Berufstätigkeit aufzunehmen, erklärte Frau G. in eher abwesender, monotoner Stimmlage, leerem Blick und wenig Emotionen bei gleichzeitiger Befürchtung, den Wiedereinstieg nicht zu schaffen. Bei fit2work erfolgte schließlich eine ausführliche WIETZ-Beratung, an deren Ende auf Wunsch der Kundin ein WIETZ-Plan erstellt wurde und die notwendigen WIETZ-Formulare erklärt wurden. Frau G. war der Ansicht, bei einem Weiterverbleib im Krankenstand in ein noch tieferes Loch zu fallen, weil ihr der „Lebensinhalt“ fehle. Zudem erhielt Frau G. Informationsmaterial zu psychologischen Unterstützungsmöglichkeiten Vorort sowie gezielte Kontaktdaten, da erkannt wurde, dass eine diesbezügliche Vernetzung absolut fehlte. Da der Zustand von Frau G. von der fit2work Case Managerin alles andere als stabil eingeschätzt wurde, wurde eine Verschiebung der WIETZ in den Raum gestellt und über die Notwendigkeit einer stabilen psychischen und physischen Verfassung beim beruflichen Wiedereinstieg gesprochen. Frau G. sah ihren Arbeitsplatz jedoch grundsätzlich in Gefahr und wollte – auch wegen dem Gefühl, in der gegenwärtigen Situation „stecken zu bleiben“ – dem Krankenstand entfliehen. Die fit2work Case Managerin kontaktierte den Vorgesetzten von Frau G. und informierte diesen auf Wunsch der Kundin über das Vorhaben seiner Mitarbeiterin sowie über die WIETZRahmenbedingungen. Der Arbeitgeber reagierte einerseits erfreut, weil er die WIETZ als gute Möglichkeit sah, die so dringend benötigte Mitarbeiterin wieder schnell im Unternehmen zu haben, andererseits besorgt ob der Stabilität seiner Mitarbeiterin und wollte mit ihr das Gespräch suchen. Die fit2work Case Managerin stellte sich beiden für weitere Fragen gerne zur Verfügung. Binnen kurzer Zeit informierten Arbeitnehmerin und Arbeitgeber die fit2work Case Managerin über ihr Einvernehmen und baten um weitere Unterstützung hinsichtlich der arbeitsmedizinischen Stellungnahme. Es wurde ein Termin mit der fit2work Arbeitsmedizinerin organisiert.

Dieser Einschätzung ging ein anamnestisches Gespräch der Arbeitsmedizinerin mit Frau G. voraus. Aufgrund dieses Gespräches und der vorliegenden Befunde wurde die bald startende WIETZ nicht befürwortet, weil die Arbeitsmedizinerin zu dem Entschluss kam, dass die beschriebene, geplante Rückkehr in die berufliche Tätigkeit nicht zur nachhaltigen Festigung und Erhöhung der Arbeitsfähigkeit beitragen wird und somit die medizinische Zweckmäßigkeit nicht gegeben schien. Alternativ wurden Frau G. neben der Konsultation des Facharztes für Psychiatrie dringend kontinuierlich klinisch-psychologische oder psychotherapeutische Behandlungen sowie ein psychosozialer Reha-Antrag empfohlen, weil Frau G. auch aus arbeitsmedizinischer Sicht einen zu instabilen Eindruck bei ungenügender psychosozialer Versorgung machte. Schließlich wurde Frau G. eine weitere fit2work-Beratung angeboten, um sie bei der Initiierung geeigneter Therapien zu unterstützen. Dieser Vorschlag wurde von Frau G. gerne angenommen. Innerhalb der nächsten sechs Monaten konnte Frau G. therapeutisch gut angebunden und eine sechswöchige psychosoziale Rehabilitation organisiert werden. In der kontinuierlichen psychotherapeutischen Behandlung konnte Frau G. viel Vergangenes aufarbeiten und ein Handwerkzeug für künftige Anforderungen erhalten. Sowohl ihr Facharzt als auch ihre Psychotherapeutin würden einen langsamen Wiedereinstieg mittlerweile als positiv und zumutbar erachten, was sie bestärkt habe, dies nun in Angriff zu nehmen. Sie habe dieses Mal auch bereits selbst mit ihrem Vorgesetzten gesprochen und ein gut realisierbarer WIETZ-Plan sei gemeinsam erstellt worden. Es wurde seitens fit2work noch ein Gespräch mit dem Arbeitgeber von Frau G. geführt, welcher bestätigte, nun mit einem guten Gefühl die WIETZ in Angriff nehmen zu wollen und sich über die überaus positive Entwicklung zu freuen. Schließlich fand der arbeitsmedizinische Basischeck statt, welcher die geplante WIETZ befürwortete und als arbeitsmedizinisch zweckmäßig erachtete. So konnte das WIETZ-Vorhaben bei der TGKK eingereicht werden, welche rasch einen positiven Bescheid übermitteln konnte. Ein paar Wochen später meldete sich Frau G. telefonisch und informierte die fit2work Case-Managerin, dass die WIETZ sehr gut funktioniert und zu ihrer Stabilisierung beiträgt, sie nach wie vor psychologische und psychiatrische Unterstützung beansprucht und froh über den gesamten Verlauf ist.

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(zuletzt aktualisiert: 1. Quartal 2019)